28.04.2020

Wechsel in der Pflegedirektion der Psychiatrischen Klinik Lüneburg

Pflegedirektor Egbert Bolmerg geht nach 20 Jahren in den Ruhestand

Vorfreude und Wehmut ‒ es sind gemischte Gefühle, mit denen Egbert Bolmerg sich nach 20 Jahren als Pflegedirektor der Psychiatrischen Klinik Lüneburg in den Ruhestand verabschiedet. „Ich freue mich sehr darauf, in Zukunft selbstbestimmter zu leben und nach 30 Jahren nie mehr Rufbereitschaft zu haben“, beschreibt der 64-Jährige seine aktuelle Stimmungslage, „gleichzeitig spüre ich auch Bedauern, denn die Kolleginnen und Kollegen hier sind mir sehr ans Herz gewachsen.“

Nach Krankenpflegeausbildung und Zivildienst in Münster arbeitete Egbert Bolmerg ab 1979 in verschiedenen Kliniken in München. 1985 zog er aus privaten Gründen nach Göttingen und war an der dortigen Universitätsklinik als Krankenpfleger tätig. Weiterbildungen zur Stationsleitung, zum Lehrer für Pflegeberufe und zur Pflegedienstleitung waren hier Meilensteine seiner weiteren beruflichen Laufbahn. Nach dem Wechsel in die psychiatrische Pflege nahm er ab Januar 1991 im damaligen Niedersächsischen Landeskrankenhaus Hildesheim zunächst die Aufgabe des stellvertretenden Pflegedienstleiters und ab 1993 des Pflegedirektors wahr. Zum 1. Mai 2000 wurde er als Pflegedirektor an das damalige Landeskrankenhaus Lüneburg versetzt, was er selbst beim Niedersächsischen Sozialministerium beantragt hatte. „Im November 1999 hatte ich an einem Treffen zur „Psychiatrie 2000 im LKH Lüneburg“ in Haus Westerholz teilgenommen. Damals war klar, dass sich in der Krankenhaus-Psychiatrie ganz viel verändern würde“, erinnert sich Bolmerg, „Lüneburg hatte innerhalb der Landeskrankenhäuser keinen schlechten Ruf, und aus gemeinsamen Dienstbesprechungen hatte ich bereits Kontakt zur damaligen Betriebsleitung. Auch die Nähe zu Hamburg fand ich attraktiv.“

Wie erwartet, war die Tätigkeit in Lüneburg von Beginn an durch zahlreiche und weitreichende Veränderungen geprägt: Seit Beginn der 2000er-Jahre wurden in Allgemeinkrankenhäusern psychiatrische Abteilungen eröffnet bzw. ausgebaut. Dadurch wurde auch das Einzugsgebiet der Lüneburger Erwachsenenpsychiatrie deutlich kleiner. Dieser Bereich der Klinik wurde organisatorisch in die Zuständigkeit für Stadt und Landkreis Lüneburg einerseits sowie Landkreis Harburg andererseits geteilt. 2002 folgte die Verlegung der Klinik für Neurologie an das Klinikum Lüneburg. 2005 beschloss das Land Niedersachsen, seine Landeskrankenhäuser zu verkaufen.

„Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Veränderungen bereits große Einschnitte und umfangreiche Neuorganisationen erfordert“, beschreibt der Pflegedirektor die damalige Atmosphäre. „Gerade hatte sich alles wieder etwas beruhigt ‒ und dann kam der Verkauf.“ Die Ungewissheit, wer das Krankenhaus denn übernehmen werde, sei während dieser Zeit für alle sehr belastend gewesen. Mit dem Kauf der Klinik durch die Stadt Lüneburg, der Gründung der Gesundheitsholding und der Umbenennung des Hauses in Psychiatrische Klinik Lüneburg (PKL) seien die Weichen für den Neuanfang gestellt worden.

Der ständige Wandel blieb, denn nun stand der verstärkte Aufbau ambulanter Strukturen im Vordergrund. „Mit Jürgen Lotze und Sebastian Stiel, den aufeinanderfolgenden Ärztlichen Direktoren dieser unruhigen Jahre, entstand damals eine sehr enge Verbundenheit“, erzählt Bolmerg. „Sie haben mich nicht nur mit ihrer Haltung und ihrem sozialpsychiatrischen Ansatz überzeugt, sondern mir das Gefühl gegeben, alles auf Augenhöhe zu bewältigen. Das hatte ich bei früheren Arbeitgebern anders erlebt.“ Auch in der Zusammenarbeit mit Geschäftsführer Rolf Sauer habe er gleiche Ansätze in der menschlichen Ausrichtung der Arbeit gefunden, die Grundlage einer sehr guten und vertraulichen Zusammenarbeit in der Betriebsleitung.

In der Psychiatrie seien die Mitarbeiter des Pflege- und Erziehungsdienstes rund um die Uhr nah an den Patienten und würden auf den Stationen vieles stabilisieren. Deswegen habe er große Anerkennung für das, was sie leisten und manchmal auch aushalten müssten. Einen seiner persönlichen Schwerpunkte in der Zeit als Pflegedirektor sieht der Vater zweier erwachsener Kinder in der Qualifikation des Personals: „Bildung hat für mich immer eine sehr große Rolle gespielt. Mein Ziel war es unter anderem, Führungspositionen aus den vorhandenen Teams zu besetzen, denn der Geist des Hauses spielt hier eine besondere Rolle. Wenn man lange im Betrieb ist, kann man die Mitarbeiter einfach besser verstehen.“ Mit ein bisschen Stolz berichtet er, dass alle aktuellen Pflegedienstleitungen intern besetzt werden konnten. Neben individueller Eignung und persönlichem Interesse sei bei Bedarf auch die nötige finanzielle Unterstützung durch die Klinik entscheidend gewesen. „Auch das kann man als ein Markenzeichen des Hauses bezeichnen. Im Gespräch mit Kollegen aus anderen Einrichtungen habe ich oft gehört, dass sie diese Unterstützung nicht erfahren.“

Den engen Bezug zur beruflichen Bildung erlebte er auch in der guten Zusammenarbeit mit der Krankenpflegeschule der PKL. Sein Ziel, eine kleine Akademie für überregionale Fortbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen in Nordostniedersachsen zu gründen, habe er während seiner Dienstzeit leider nicht mehr umsetzen können. Aber „das Pflänzchen ist gepflanzt“ und werde jetzt hoffentlich von anderen weiterentwickelt.

Auch in seinem zukünftigen Leben will der gebürtige Münsterländer nicht auf sein Engagement für die Bildung verzichten und plant eine ehrenamtliche Tätigkeit, z. B. als Lern- und Lesepate an Grundschulen. Außerdem sei jetzt genügend Zeit, alte Bekanntschaften wieder zu intensivieren, gemeinsam mit seiner Frau lange Fahrradtouren an Nord- und Ostseeküste oder Wanderungen in der Bretagne zu planen und in Ruhe gute Literatur zu lesen, ohne auf die Zeit achten zu müssen. „Auch die Kommunalpolitik wird weiter eine Rolle in meinem Leben spielen“, ergänzt er mit einem Schmunzeln. Um dann doch noch einmal nachdenklich zu werden: „Es ist sehr schade, dass meine geplante Abschiedsparty in der PKL wegen der Corona-Epidemie nicht stattfinden kann. Mein Pragmatismus hilft mir zwar dabei, damit klarzukommen. Aber ich hatte mich wahnsinnig darauf gefreut.“ In vielen Begegnungen der letzten Tage sei ihm noch einmal bewusst geworden, dass man als Pflegedirektor irgendwann wirklich mit allen in der Klinik zu tun habe, beispielsweise auch mit Kollegen in der Küche oder der Technik.

Nachfolger von Egbert Bolmerg ist ab 1. Mai 2020 Stefan Olmützer als neuer Pflegedirektor. Er gehört seit langem zum Team der Klinik, war einige Jahre als Pflegedienstleiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie tätig und verantwortete zuletzt das Klinik- und Qualitätsmanagement der PKL.