26.02.2021

Professor Dr. med. Gisbert Brinkmann verabschiedet

Langjähriger Chefarzt des Instituts für Radiologie geht in den Ruhestand

„Ich freue mich auf mehr Privatleben und darauf, alles etwas langsamer angehen zu können“, sagt Prof. Dr. med. Gisbert Brinkmann, der nach fast 22 Jahren am Klinikum Lüneburg, davon 19,75 Jahre als Chefarzt des Instituts für Radiologie, Ende Februar in den Ruhestand geht. In Bochum aufgewachsen, studierte er an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel Medizin, wurde Facharzt für Radiologie und arbeitete dort zuletzt als Leitender Oberarzt. Am 1. April 1999 begann er als Chefarzt mit dem Aufbau des damals neuen Instituts am Klinikum Lüneburg. Bis zu diesem Zeitpunkt waren Strahlentherapie und Röntgendiagnostik in einem gemeinsamen Bereich des Klinikums angesiedelt. „Da sich beide Disziplinen zunehmend spezialisierten, musste es für jedes Fach nicht nur in den Kliniken, sondern auch in der Arztausbildung getrennte Schwerpunkte und Verantwortungen geben“, erinnert sich Prof. Brinkmann.

Die größte Herausforderung der Anfangszeit sei die Digitalisierung gewesen: „Damals wurde alles noch auf Papier dokumentiert, mit der Schreibmaschine oder per Hand geschrieben. Befunde wurden auf Karteikarten archiviert. Auf Film ausgedruckte Röntgenbilder mussten von einem Ort zum anderen transportiert oder neu angefertigt werden. Das war alles zeitaufwendig und konnte für die Patienten unter Umständen belastende Mehrfachuntersuchungen bedeuten.“

Auch die Methoden hätten sich ständig weiterentwickelt. „Radiologische Untersuchungen waren früher deutlich invasiver als heute. Je nach Fragestellung musste Kontrastmittel beispielsweise in Gelenke oder den Rückenmarkskanal gespritzt werden“, erklärt der ehemalige Chefarzt. „Das alles änderte sich durch die Einführung der Magnetresonanztomographie. Heute wird Kontrastmittel überwiegend in die Blutgefäße verabreicht, zum Beispiel bei der Entzündungs- oder Tumordiagnostik.“ Während seiner Zeit als Chefarzt fanden mehrere Generationen von CT- und MRT-Geräten sowie weitere Untersuchungsmethoden der jeweils neuesten technischen Standards ihren Weg ins Klinikum Lüneburg. Mit jeder Weiterentwicklung wurden die Verfahren risikoärmer für die Patienten und die Ergebnisse detaillierter für die Befundung.

Heute sind die bildgebenden Verfahren der Radiologie aus der täglichen medizinischen Diagnostik nicht mehr wegzudenken. Je nach Fragestellung kommen Röntgen und Durchleuchtung, Ultraschall, Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) zum Einsatz. Vakuumbiopsie bei Brustkrebsverdacht, Katheterangiographie zur detailgenauen Darstellung und minimal-invasiven Behandlung, beispielsweise von Gefäßen, sowie die nuklearmedizinische Funktionsdiagnostik vervollständigen das Spektrum, das die Radiologen zu unverzichtbaren Kooperationspartnern für alle medizinischen Fachrichtungen macht. Dank digitaler Patientenakte, digitaler Archivierung und leistungsfähiger Server sind alle Befunde innerhalb kürzester Zeit an jedem beliebigen Bildschirm-Arbeitsplatz des Klinikums aufrufbar.

Prof. Brinkmanns letzter großer Meilenstein im Auf- und Ausbau der Radiologie am Klinikum Lüneburg war die räumliche Zusammenführung des zeitweise in drei verschiedenen Gebäudeteilen untergebrachten Instituts im 2018 in Betrieb genommenen Erweiterungsbau und dem angrenzenden Ambulanzzentrum.

Am 1. Januar 2019 übergab er die Chefarztposition des jetzigen Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie an Prof. Dr. med. Thomas Rodt und leitete seitdem innerhalb des Instituts die Nuklearmedizinische Diagnostik. Hier tritt Oberärztin Dr. med. Corinna Kade am 1. März seine Nachfolge an.

Wegen der Corona-Pandemie kann die Verabschiedung von Prof. Brinkmann am Nachmittag des 26.02.2021 nur im kleinen Kreis geladener Gäste und Vertreter des Klinikums stattfinden. Bei seinem Team der Radiologie bedankte er sich am Vormittag für die langjährige Zusammenarbeit und erinnerte an gemeinsame Erlebnisse und Erfolge.

Der Zukunft sieht Prof. Brinkmann mit Gelassenheit entgegen: „Ich möchte neugierig bleiben und bin gespannt, wie sich alles entwickeln wird. Für gemeinsame Hobbies mit meiner Frau Petra, lange Spaziergänge mit Hund Luna, Fahrradtouren, Fotografie inkl. Bildbearbeitung und Malen wird mehr Freiraum vorhanden sein.“ Menschen gehören sowohl vor der Kamera als auch für Bleistiftzeichnungen zu seinen Lieblingsmotiven. Der Vater zweier erwachsener Kinder freut sich auch auf mehr Familienleben: „Seit gut einem Jahr bin ich Großvater. Wegen eines Forschungsaufenthalts seiner Eltern lebt mein Enkel zurzeit in New York und ich hoffe, dass die Corona-Situation für meine Frau und mich ab Herbst wieder einen Besuch in den USA zulassen wird.“ Bis dahin hilft auch hier die Digitalisierung dabei, die Wartezeit zum Beispiel über Videotelefonate zu verkürzen.