23.04.2010

Neues Endoskopiezentrum am Städtischen Klinikum

Diagnostik und Therapie mit modernsten Verfahren

Lüneburg, 23. April 2010 - Nach einjähriger Bauphase wird am Samstag, 24. April 2010, das neue Endoskopiezentrum am Städtischen Klinikum Lüneburg offiziell eingeweiht. Das von der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Gastroenterologie sowie der Klinik für Urologie gemeinsam genutzte Endo­skopiezentrum befindet sich im vierten Stock des Klinik-Hauptgebäudes. Auf einer Fläche von fast 1000 Quadratmetern werden hier mit Hilfe modernster Technik die neuesten endoskopischen und sonographischen Verfahren zur Diagnostik und Behandlung gastroenterologischer und urologischer Krank­heitsbilder vorgehalten.

„Für unseren Bereich bedeutet dies, dass wir einerseits Untersuchungen des Magen-Darm-Traktes gemäß aktueller Standards und Qualitätsrichtlinien auf höchstem technischen Niveau durchführen können. Andererseits können wir auch unmittelbar lokale Behandlungen an den untersuchten Organen vorneh­men. Hierzu gehört neben der seit längerem bekannten Abtragung von Poly­pen oder der Stillung von Blutungen mittlerweile auch die lokale Therapie von Tumoren des Verdauungstraktes, beispielsweise mit Radiofrequenzwellen oder Laser. Dazu stehen uns die modernsten endoskopischen Verfahren zur Verfügung", erläutern Professor Torsten Kucharzik, Chefarzt der Klinik für All­gemeine Innere Medizin und Gastroenterologie, und Privatdozent Dr. Christian Maaser, Oberarzt und Leiter des Endoskopiezentrums, die Vorteile des neuen Zentrums. „Das medizinische Personal und die Patienten fühlen sich in den modern, hell und freundlich gestalteten Räumen sehr wohl."

Dr. Roberto Olianas, Chefarzt der Klinik für Urologie, ergänzt: „Im Endosko­piezentrum kann die gesamte Vorbereitung der Patienten für urologische Ope­rationen ambulant durchgeführt werden: Untersuchung, Röntgen, Endoskopie, Ultraschall und Aufklärung finden hier ohne lange Wege und Wartezeiten statt. Die Patienten werden dann erst am Operationstag stationär aufgenommen."

Endoskopie bedeutet im Allgemeinen „Hineinsehen". Das heißt, die Unter­suchung von im Körperinnern liegenden Organen findet über Endoskope statt, an deren vorderem Ende eine Kamera befestigt ist. Die verwendeten Endo­skope bieten neben der Kamera zur Begutachtung auch die Möglichkeit zur Probenentnahme oder Blutstillung. Zur medizinischen Ausstattung des neuen Endoskopiezentrums gehören Endoskopiesysteme, die ausschließlich mit hochauflösender digitaler Bildtechnik (sog. HDTV-Technik) ausgestattet sind. Außerdem spezielle Endoskopietechnologien, wie die Ballon-Enteroskopie und die Videokapselendoskopie zur Dünndarmdiagnostik, sowie verschiedene Endosonographiesysteme unter anderem mit 360 Grad-Rundumsicht. In Ver­bindung mit effizienteren rechnergestützten Auswertungsverfahren ermög­lichen die eingesetzten neuesten Technologien eine noch differenziertere und sicherere Diagnose und Therapie. Dies gilt auch für den Bereich bösartiger Erkrankungen und die Tumorerkennung. „Damit ist das Endoskopiezentrum auch essentieller Bestandteil unseres voraussichtlich ab Mai dieses Jahres abschließend zertifizierten Darmkrebszentrums", beschreibt der Ärztliche Direktor, Professor Dr. Anton Schafmayer, die Bedeutung und Vernetzung innerhalb und außerhalb der Klinik.

„Im Endoskopiezentrum werden täglich etwa 30 Patienten untersucht und behandelt, pro Jahr etwa 8000 Fälle. Um für alle diese Patienten eine Behandlung nach höchsten medizinischen und Qualitätsstandards sicher­stellen zu können, haben wir für Bau, Ausstattung und medizinische Geräte insgesamt 2,5 Millionen Euro investiert", betont Geschäftsführer Dr. Michael Moormann.

Zu den häufigsten endoskopischen Untersuchungen im Bereich der Gastroenterologie zählen die Magenspiegelung zur Begutachtung und even­tuell auch Therapie von Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm, die Darm­spiegelung (Koloskopie), die Dünndarmspiegelung und die Videokapselendo­skopie. Bei dieser wird eine kleine Videokapsel wie eine Tablette geschluckt, die fortlaufend Bilder aus dem Magen-Darm-Trakt an ein tragbares Empfän­gergerät sendet. Die Auswertung dieser Bilder erlaubt Aussagen über bei­spielsweise Blutungen oder Tumore insbesondere im Bereich des Dünn­darms. Diese Untersuchungs- und Behandlungsmethoden werden beispiels­weise bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa) eingesetzt, die zu den Behandlungsschwerpunkten der CED-Ambulanz im Endoskopiezentrum gehören.

Durch weitere endoskopische Techniken ist beispielsweise auch die röntgen­gestützte Untersuchung der Gallen- und/oder Bauchspeicheldrüsengänge (ERCP) sowie eine endoskopische Ultraschalluntersuchung (Endo­sonographie) möglich, welche einen „Blick hinter die Schleimhaut" erlaubt. Beide Verfahren können auch therapeutisch z. B. bei der Therapie von Tumo­ren oder bei Bauchspeicheldrüsenerkrankungen genutzt werden. Das Endo­skopiezentrum Lüneburg zählt zu den wenigen Ausbildungszentren für die oben genannte Dünndarmdiagnostik und die Endosonographie in Deutsch­land.

„Die beschriebenen endoskopischen Verfahren sollen die endoskopische Spezialversorgung für den Landkreis Lüneburg und für einige Spezialverfah­ren auch weit darüber hinaus sicherstellen. Dabei besteht eine enge und arbeitsteilige Zusammenarbeit mit den niedergelassenen endoskopisch täti­gen Kollegen, die sich in den letzten Jahren sehr bewährt hat", so Professor Kucharzik.

Zusätzlich zu den endoskopischen Verfahren wird im Endoskopiezentrum auch ein breites Spektrum an sogenannter gastroenterologischer Funktions­diagnostik angeboten. Hierzu zählen neben der Säuremessung in Magen und Speiseröhre (pH-Metrie) auch Druckmessungen (Manometrie) in der Speise­röhre und im Schließmuskel sowie Atemtestverfahren, mit denen beispiels­weise Nahrungsmittelunverträglichkeiten und die Funktion von Leber und Bauchspeicheldrüse getestet werden können.

Im Bereich der urologischen Klinik werden im Endoskopiezentrum neben diagnostischen Maßnahmen, wie z. B. Blasen- und Harnleiterspiegelungen, minimal-invasive operative Eingriffe an Prostata, Blase und Niere vorgenom­men. 2009 wurden mehr als 2700 Eingriffe durchgeführt. Hierzu stehen der Abteilung hochmoderne starre und flexible Instrumente sowie Systeme mit hochauflösender Bildtechnik (HDTV) und speziellen Filtern für die sogenannte photodynamische Diagnostik (PDD) zur Verfügung. Dieses Verfahren erlaubt eine bessere Früherkennung und Therapie von Blasenkrebs.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Behandlung des Harnsteinleidens, wobei die Steine sowohl durch den Harnleiter (URS) als auch durch direkte Punktion des Nierenbeckens (PCNL) entfernt werden. Zunehmend wird dabei auch ein neu angeschaffter Laser zur Zertrümmerung der Steine eingesetzt.

Im Bereich der Diagnostik von Harnblasenentleerungsstörungen steht der Abteilung ein moderner urodynamischer Messplatz zur Verfügung. Die dort durchgeführten Untersuchungen erlauben eine genaue Differenzierung der vorliegenden Entleerungsstörung (z. B. die Form einer Inkontinenzerkrankung oder neurogene Entleerungsstörungen). Anschließend können individuelle Therapieempfehlungen getroffen werden. „Beispielsweise wird im Endo­skopienzentrum zur Behandlung von Patienten mit einer interstitiellen Cystitis, das ist eine Erkrankung des Blasengewebes und der Blasenmuskulatur, eine EMDA-Therapie (Elektromotive Medikamenten-Applikation) durchgeführt, bei der mit Hilfe eines elektrischen Feldes Medikamente unmittelbar in das Blasengewebe eingebracht werden", erläutert Dr. Olianas.

Durch weitere röntgengestützte und endoskopische Untersuchungen werden zudem operative Eingriffe im gesamten Harntrakt vorbereitet. Häufig durch­geführte Eingriffe sind beispielsweise rekonstruktive Operationen bei Harn­röhrenvernarbungen oder Implantationen von künstlichen Schließmuskeln nach Verletzungen. Neben geplanten Eingriffen werden im Endoskopie­zentrum auch urologische Notfallpatienten behandelt.

Eine Reihe von Geräten wird von beiden Abteilungen gemeinsam genutzt, so beispielsweise die Stoßwellenlithotrypsie (ESWL) zur Zertrümmerung von Nieren- und Gallensteinen oder ein Lasergerät, das in beiden Abteilungen zur Tumortherapie eingesetzt werden kann.

Für alle Patienten steht ein großzügiger, hochmoderner Aufwachbereich zur Verfügung, in dem sie sich nach der Untersuchung in Ruhe erholen können. „Einzigartig ist, dass nach allen Untersuchungen kontinuierlich Blutdruck, Puls und die Sauerstoffsättigung des Blutes gemessen und zentral überwacht werden, so dass für die Patienten auch nach der Untersuchung ein Maximum an Sicherheit besteht", erklärt Professor Kucharzik.