Sieben der acht erfolgreichen Absolvent:innen des BVJ Pflege Kurs 2 mit ihren Zertifikaten (von links nach rechts):
Ornella Agasimbi, Tetiana Riabokon, Viktoria Shypylenko, Anastasiia Malonkina, Jazmin Fiorella Jachilla Primo, Hamed Yousufi, Nazema Ahmad
Gemeinsame Presseinformation des bildungswerks ver.di und der Psychiatrischen Klinik Lüneburg
Förderzeitraum für das Berufsvorbereitungsjahr Pflege endet
Erfolgreicher Abschluss für das in Niedersachsen einmalige Innovationsprojekt „Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) Pflege“: Acht Teilnehmerinnen und Teilnehmer des zweiten Kurses freuten sich jetzt über ihre Zertifikate. Sechs von ihnen können im Oktober eine Ausbildung an der Berufsfachschule Pflege der Psychiatrischen Klinik Lüneburg (PKL) beginnen, zwei weitere starten an anderer Stelle in der Pflege.
„Wir freuen uns sehr, dass wir diesmal so viele neue Auszubildende gewinnen und qualifizieren konnten“, sagt Schulleiterin Anneke Moldenhauer, die das BVJ Pflege zusammen mit Henny Richert als pädagogische Leitung gestaltete. „Gemeinsam mit dem Bildungswerk ver.di und dem Arbeitgeberverband Lüneburg-Nordostniedersachsen haben wir dieses Pilotprojekt vor zwei Jahren begonnen. Denn wir waren und sind davon überzeugt, dass wir es uns als Gesellschaft nicht leisten können, hochmotivierte und interessierte Menschen nicht für die Pflege zu berücksichtigen, nur weil ihnen eine Zugangsvoraussetzung zur Ausbildung fehlt.“
Auch Cornelia Vogel, Bildungsreferentin und Projektkoordinatorin des BVJ Pflege beim Bildungswerk ver.di, freut sich über das gute Ergebnis des zweiten Kurses. Sie bedauert, dass das BVJ Pflege nicht fortgesetzt werden kann: „Wir konnten uns zu Beginn nicht vorstellen, welche unvorhersehbaren bürokratischen und politischen Hürden die Umsetzung behindern würden. Und leider ist nicht absehbar, dass sich diese Rahmenbedingungen kurzfristig verbessern werden. Nach Ende des Förderzeitraums ist aber vor allem die Frage der Finanzierung entscheidend dafür, dass das Projekt nicht fortgesetzt werden kann.“
Die zentralen Ergebnisse, Erfahrungen und Handlungsempfehlungen aus dem Projekt wurden im Juni bei der Fachtagung „Pflege im Fokus: Talente finden und fördern“ in der PKL vorgestellt. 64 Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmer, unter anderem von Berufsbildenden Schulen und Schulen in freier Trägerschaft sowie Pflegeeinrichtungen und Kliniken aus ganz Niedersachsen, hörten sich Fachvorträge an und tauschten sich in Workshops zu verschiedenen Themenbereichen aus. „Das Feedback war sehr positiv, von inhaltlichen Vorschlägen für eine weitere Fachtagung bis zu absoluter Fassungslosigkeit, dass dieses tolle Projekt nicht weitergeht“, so Anneke Moldenhauer. „Wir haben unsere positiven Erfahrungen und die Chancen des BVJ Pflege unter anderem auch den Landtagsabgeordneten Anna Bauseneick und Philipp Meyn vorgestellt. Vielleicht ergibt sich ja über die politische Ebene doch noch eine Chance zur Weiterführung.“
Ein Kurs im BVJ Pflege dauerte zehn Monate. Im theoretischen Unterricht lernten die Teilnehmenden unter anderem das Gesundheitssystem in Deutschland, Kompetenzen in Stressbewältigung, Resilienz und Achtsamkeit sowie pflegespezifische Inhalte kennen. Während der Praxisphase begleiteten sie die Pflegekräfte in der PKL auf verschiedenen Stationen und übten sich in sozialer Interaktion und Kommunikation, Arbeitsstruktur der Stationsabläufe und ersten pflegerischen Tätigkeiten. Einen besonderen Stellenwert hatte der Sprachunterricht zur Vorbereitung auf die B2-Prüfung.
Das Pilotprojekt „Berufsvorbereitungsjahr Pflege“ wurde für die Laufzeit von 1.12.2023 bis 31.08.2026 aus dem EU-Programm „Soziale Innovation“ vom Land Niedersachsen mit 599.920 Euro gefördert. Ziel war es, Hürden für die Ausbildung in der Pflege abzubauen. „Im zweiten Kurs konnten wir dieses Ziel besser erreichen als im ersten, und es ist wirklich bedauerlich, dass dieses erfolgreiche und in Niedersachsen einmalige Projekt nicht fortgesetzt werden kann“, so die pädagogische Leiterin Henny Richert.

