Lüneburg, 30. September 2026 – Wie lassen sich Einwegprodukte im Krankenhaus ressourcenschonender trennen und verwerten, ohne Hygiene und Sicherheit zu gefährden? Das Klinikum Lüneburg arbeitet dazu im vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Projekt MEiK mit Hochschulen, Herstellern, Kliniken und einem Entsorgungspartner zusammen. Bei einem Termin in Lüneburg stellte das Team nun erste Erkenntnisse vor.
Medizinprodukte müssen höchsten Anforderungen an Hygiene und Sicherheit genügen. Entsprechend aufwendig sind viele Produkte verpackt, und die Entsorgung ist oft komplex. Der Gesundheitssektor, insbesondere Krankenhäuser, zählt deshalb zu den größten Abfallverursachern in Deutschland. Bislang werden viele dieser Abfälle aus hygienischen und arbeitsschutzrechtlichen Gründen verbrannt. Das Projekt MEiK – Medizinische Einmalgebrauchsprodukte in der Kreislaufwirtschaft – will nun eine belastbare Datenlage schaffen: Welche Bestandteile und Materialien können möglicherweise hochwertig weiterverwendet oder recycelt werden – und unter welchen Bedingungen lassen sich entsprechende Kreisläufe schließen?
Erste Erkenntnisse aus dem Klinik-Alltag
Die MEiK-Projektgruppe hat jetzt am Klinikum Lüneburg erste Ergebnisse vorgestellt. Projektmitarbeiterinnen hatten zuvor während einer Hospitation vor Ort Erkenntnisse aus dem klinischen Alltag gesammelt. „Nachhaltigkeit im Krankenhaus muss im Alltag funktionieren. Für uns bedeutet das: Wir müssen genau hinschauen, an welchen Stellen eine Trennung von Materialien möglich ist, ohne zusätzliche Risiken oder unpraktikable Abläufe zu schaffen“, sagt Charlotte Jansen, zuständig für Nachhaltigkeit am Klinikum Lüneburg.
MEiK untersucht den Lebenszyklus medizinischer Produkte – von der Herstellung und Verpackung bis zur Entsorgung. Im Fokus stehen Einwegprodukte wie OP-Abdeckungen, Schutzkittel, Infusionssets, Spritzen und Katheter, aber auch solche aus hochwertigen Materialien wie Edelstahl oder Edelmetallen. Das Projekt prüft, welche Materialien sich hochwertig aufbereiten oder verwerten lassen und welche Voraussetzungen dafür nötig sind. „Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft beginnt mit einer verlässlichen Datengrundlage. Wir wollen nicht nur wissen, welche Materialien in Medizinprodukten enthalten sind, sondern auch, wie sie sich über den gesamten Lebenszyklus hinweg verhalten und welche Optionen am Ende tatsächlich realistisch sind“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Jörg Woidasky von der Hochschule Pforzheim.
Nachhaltige Lösungen müssen im Alltag funktionieren
Dabei berücksichtigt das Projekt nicht nur technische und ökologische Fragen. Ebenso wichtig sei die praktische Umsetzbarkeit im Krankenhaus. „Pflegekräfte müssen in einem hochdynamischen Umfeld schnell und sicher handeln können. Nachhaltige Trennkonzepte haben deshalb nur dann eine Chance, wenn sie eindeutig, verständlich und ohne unnötige Zusatzbelastung in die bestehenden Abläufe integriert werden“, sagt Prof. Dr. Anne-Kathrin Cassier-Woidasky, Pflegewissenschaftlerin an der htw saar und der Uni Trier.
Im MEiK-Projekt arbeiten erstmals Akteure aus verschiedenen Bereichen in dieser Form zusammen: heimische Hersteller von Medizinprodukten, mehrere Kliniken, ein Entsorgungspartner sowie zwei Hochschulen. So kommen Umwelttechnik, Pflegewissenschaft und Umweltbewertung in einem gemeinsamen Forschungskonsortium zusammen. „Die Besonderheit von MEiK liegt in der Verbindung von industrieller Praxis, klinischer Anwendung und wissenschaftlicher Bewertung. Wenn es gelingt, die gewonnenen Erkenntnisse in robuste Lösungen zu übersetzen, können daraus Impulse entstehen, die über einzelne Krankenhäuser hinausreichen und möglicherweise auch von Herstellern international weitergetragen werden“, sagt Tobias Viere von der Hochschule Pforzheim.
Handlungsempfehlungen für das Gesundheitswesen
Die ersten Ergebnisse aus Lüneburg zeigen, wie wichtig der direkte Austausch mit den Anwenderinnen und Anwendern ist. Das Projekt läuft voraussichtlich bis Mitte 2027. Bis dahin sollen die Ergebnisse aus den beteiligten Einrichtungen zusammengeführt, bewertet und in Handlungsempfehlungen für Hersteller, Krankenhäuser und weitere Akteure des Gesundheitswesens überführt werden.
