Gemeinsame Presseinformation des Bildungswerks ver.di und der Psychiatrischen Klinik Lüneburg
In Niedersachsen einmaliges Pilotprojekt kann nicht fortgesetzt werden
Das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) Pflege - ein gemeinsames Projekt der Psychiatrischen Klinik Lüneburg (PKL), des Bildungswerks ver.di und des Arbeitgeberverbands Lüneburg-Nordostniedersachsen wird mit Abschluss des zweiten Kurses im Herbst 2026 enden.
„Leider konnten die Projektziele nicht wie erwartet erreicht werden“, so Cornelia Vogel, Bildungsreferentin und Projektkoordinatorin des BVJ Pflege beim Bildungswerk ver.di. „Trotz des großen zeitlichen und personellen Einsatzes der Berufsfachschule Pflege, der beteiligten Stationen, des Projektträgers und aller weiteren Partner im BVJ begannen nur drei Teilnehmende des ersten Kurses im Anschluss an das BVJ eine Ausbildung, zwei davon in der Pflege.“ Dieses Ergebnis sei weder auf mangelnde Motivation oder Qualifikation der Beteiligten noch auf konzeptionelle Schwächen des Projekts zurückzuführen. Vielmehr hätten unvorhersehbare bürokratische und politische Hürden die Umsetzung behindert. „Zwei zentrale Zielgruppen konnten wir nicht erreichen: Minderjährigen Realschulabsolventinnen und -absolventen wurde keine Ausnahmegenehmigung zur Erfüllung der Schulpflicht erteilt“, beschreibt Cornelia Vogel die Einschränkungen. „Und Bewerberinnen und Bewerber aus dem Ausland wurden mit zahlreichen, kaum erfüllbaren Auflagen für die Visumserteilung während des BVJs konfrontiert. Auch die Anerkennung ausländischer Schulzeugnisse gestaltete sich deutlich schwieriger als erwartet. Leider ist derzeit nicht absehbar, dass sich diese Rahmenbedingungen kurzfristig verbessern werden.“
Neben diesen fachlichen Herausforderungen spielten finanzielle Aspekte eine entscheidende Rolle bei der Frage nach einer Fortsetzung und Verstetigung des Projekts. „In allen potenziellen Förderprogrammen wäre der von der PKL zu finanzierende Eigenanteil an den Projektkosten noch höher als bisher. Bereits im laufenden Projekt wurde die Belastungsgrenze erreicht – eine darüberhinausgehende finanzielle Beteiligung ist uns nicht möglich“, sagt PKL-Geschäftsführer Jan-Hendrik Kramer.
Der erste Kurs im Rahmen des Berufsvorbereitungsjahrs Pflege (BVJ) wurde Ende Juli dieses Jahres erfolgreich abgeschlossen. Allen Teilnehmenden konnte eine berufliche Perspektive eröffnet werden, die ihren individuellen Zielen, Interessen und Stärken entspricht. „Die berufliche Qualifizierung migrantischer Mitbürgerinnen und Mitbürger im BVJ und die Orientierung auf dem Arbeitsmarkt im Gesundheitswesen waren für alle Beteiligten sinnstiftend und integrationsfördernd. Beides trägt dazu bei, zukünftige Fachkräfte zu gewinnen“, lautet das Fazit von Anneke Moldenhauer, Leiterin der Berufsfachschule Pflege der PKL. „Trotz des positiven Feedbacks, das wir von allen Seiten erhalten haben, ist eine nachhaltige Weiterführung des BVJ Pflege an der PKL unter den aktuellen Bedingungen nicht möglich.“
Das BVJ Pflege startete am 1. Oktober 2024 und wurde aus dem EU-Programm „Soziale Innovation“ vom Land Niedersachsen mit 599.920 Euro gefördert. Ziel war es, Hürden für die Ausbildung in der Pflege abzubauen. „Wir wollen damit Menschen eine Chance geben, die hochmotiviert sind, wegen nicht ausreichender schulischer Leistungen und Reife oder notwendiger Sprachkenntnisse aber bisher keine Ausbildung zur Pflegefachkraft beginnen konnten,“ sagte Anneke Moldenhauer zu Projektbeginn.
Im Oktober startete der zweite und nach jetzigem Stand letzte Kurs vielversprechend. Er profitiert auch von den Erfahrungen des Pilotprojekts im ersten Jahr.